WNBA Season Preview #1: Minnesota Lynx

Viel ist nicht übrig geblieben vom Meisterteam der Minnesota Lynx 2017. 

Nach dem Rücktritt von Star-Point-Guard Lindsay Whalen brach das Team auseinander. Zudem entschloss sich Maya Moore am Anfang der letzten Saison, auf unbestimmte Zeit eine Auszeit vom Basketball zu nehmen und obendrein konnte Seimone Augustus vorerst verletzungsbedingt nicht eingreifen. Ähnlich verhielt es sich bei Rebecca Brunson, die lange mit den Symptomen einer Gehirnerschütterung kämpfte, die sie sich 2018 zugezogen hatte, weshalb sie letztendlich 2019 nicht mehr ins Geschehen eingriff.

Somit stand fest: In Minnesota musste sich etwas ändern. Mehr noch. Da der Core des Meisterteams endgültig auseinandergebrochen war, führte an einem Neuaufbau kein Weg vorbei. Einzig und allein Sylvia Fowles war übrig und mit ihr die Center-Position immerhin sehr gut besetzt. 

Doch Minny machte das einzig Richtige und richtete den Blick umgehend nach vorne. Mit Napheesa Collier drafteten die Lynx eine sehr junge, sehr variable und extrem gut ausgebildete Spielerin für die Forward-Position aus Connecticut und wurden nicht enttäuscht. Collier kam absolut WNBA-ready nach Minnesota und übernahm schon im Rookie-Jahr viel Verantwortung. Ihre Stats lesen sich durchaus beeindruckend:

Da verwundert es kaum, dass Collier folgerichtig in ihrer ersten Saison sowohl direkt All-Star wurde als auch den „Rookie of the year“-Award abstaubte. 

Zudem konnte man sich die Dienste von Damiris Dantas (PF/C) und der beiden Guards Odyssey Sims und Lexie Brown sichern, die in Abwesenheit von Maya Moore beide ihre bis dato individuell beste Saison hinlegten. Auch Danielle Robinson spielte auf der Aufbau-Position mehr als ordentlich, was ebenfalls dazu beitrug, dass die Lynx den für einen Neuaufbau durchaus nicht unüblichen tiefen Fall verhindern konnten und die Regular Season sogar mit dem Einzug in die Playoffs beendeten. Die überlegenen Seattle Storm sorgten schließlich für ein frühes, aber dennoch versöhnliches Ende der Saison in der ersten Runde.

Verständlicherweise sorgte man in der darauffolgenden Offseason bei Experten und Fans für kollektives Kopfschütteln, als man in der Free Agency sehr passiv agierte und Danielle Robinson einfach Richtung Las Vegas ziehen ließ. Damit verließ nicht nur eine der besten Spielerinnen das Team, sondern auch der einzig nominelle Point Guard, denn auch Odyssey Sims wird 2020 nicht das Trikot der Minnesota Lynx überstreifen, da sie wegen der Geburt ihres Kindes pausiert…

Schlau wie ein Luchs?

…was uns wiederum zur Draft 2020 bringt.

Fast alle Experten waren sich einig: Die Lynx würden mit ihrem 6. Pick auf einen Point Guard schielen, denn mit Chennedy Carter und Crystal Dangerfield waren gleich zwei talentierte Spielerinnen mögliche Beute für die Point-Guard-losen Luchse. Doch dann kam alles anders. Minnesota wählte überraschenderweise Mikiah Herbert-Harrigan, einen 1,88 m großen Forward von der University of South Carolina.

Doch warum ein Forward und kein Aufbau? „Kiki“ Herbert-Harrigan ist für eine Spielerin in Minnesota alles andere als eine Unbekannte. Sylvia Fowles, ihres Zeichens Franchise Player des Teams, kennt sie aus ihrem AAU Basketball Travelling Team und laut Aussage Herbert-Harrigans war Fowles immer ihr großes Vorbild. Doch auch auf dem Court ist eine Combo aus Fowles und Herbert-Harrigan sehr interessant. Während Fowles ein klassischer Center ist, deren Spiel fast ausschließlich unter dem Korb stattfindet, ist Herbert-Harrigan ein moderner 3&D-Forward mit einer beeindruckenden Spannweite. Die beiden könnten so vor allem defensiv ein spannendes Duo bilden. Zudem passt der Rookie mit 21 Jahren perfekt in die Timeline der zweiten Star-Spielerin Napheesa Collier, die ebenfalls erst 22 ist.

Doch damit nicht genug – die Lynx hatten noch ein Ass im Ärmel in Form eines weiteren Picks in der Draft. Bei Crystal Dangerfield hatten aufgrund ihrer eher geringen Körpergröße von nur 1,65 m einige Teams Bedenken. Somit ging man in Minnesota einen Gamble ein und konnte sich in der zweiten Runde mit Pick Nummer 16 letztendlich doch die Dienste des eigentlich viel höher gerankten Point Guards aus Connecticut sichern.

Die blitzschnelle Aufbauspielerin kommt wie Collier aus dem Basketball-Programm von Connecticut, das immer wieder gut ausgebildete Spielerinnen in die Liga bringt. Crystal Dangerfield ist besonders gefährlich von jenseits der Drei-Punkte-Linie und für ihre Größe eine gute Verteidigerin. Auch sie sollte gut ins Team passen, da sie bereits drei Jahre am College mit Napheesa Collier gespielt hat. Dangerfield sagte kurz nach der Draft: „Ich freue mich darauf, wieder mit Napheesa zu spielen. Sie macht mir meinen Job extrem einfacher. Und ich bin sicher, ich kann ihren auch einfacher machen.“

Neu zum Kader stoßen außerdem Rachel Banham (PG) von den Connecticut Sun und Kayla Alexander (C) von den Chicago Sky. Beide waren bisher allerdings „nur“ Rollenspielerinnen von der Bank.

Key Player:

Schon letztes Jahr konnte Lexie Brown einen erheblichen Schritt nach vorne machen und vor allem als Schützin aus der Dreier-Distanz glänzen, doch dieses Jahr wird es umso wichtiger sein, dass sie noch mehr Verantwortung übernimmt und Crystal Dangerfield auch beim Ballvortrag entlastet.

Fazit

Da sich die Minnesota Lynx neu aufstellen müssen, war es richtig und wichtig, langfristig zu planen und sich dementsprechend zu verstärken. Allerdings müssen die beiden Rookies aus Mangel an Alternativen manchmal beide in der Starting Lineup stehen, was zur Folge haben könnte, dass man hin und wieder Lehrgeld bezahlen muss.

Da die Rookies clever ausgewählt wurden und bereits gewisse Verknüpfungen zu den Stars im Team bestehen, könnte sofort eine gute Team-Chemie entstehen, was aber nicht davon ablenken soll, dass der Kader einfach nicht tief genug ist und der Ausfall von Odyssey Sims und der Abgang von Danielle Robinson nur schwer kompensiert werden können.

Starting Five

Offseason-Note: 3

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Saintwar
Saintwar
1 Monat zuvor

Schaut ihr wirklich WNBA

Siro TTG
Admin
1 Monat zuvor
Reply to  Saintwar

Ja, tatsächlich! Die Athletik mag zwar nicht dieselbe sein wie in der NBA – aber: Spielerisch sind die Damen durchaus ebenbürtig, wenn nicht sogar besser, v. a. in puncto Team-Basketball.